Implantation eines Künstlichen Hüftgelenks

In den letzten 40 Jahren hat der künstliche Hüftgelenksersatz beim Menschen einen rasanten Aufschwung genommen. So werden in Österreich alljährlich bei ca. 18000 Frauen und Männern Hüftendoprothesen implantiert. Auch beim Hund werden statt jahrelanger Schmerzmedikation oder statt einer Resektion des Femurkopfes seit 30 Jahren routinemäßig künstliche Hüftgelenke implantiert. Hauptindikation zur Implantation einer Kunsthüfte ist die Therapie einer Hüftgelenksdysplasie (HD), bzw. der Arthrose des Hüftgelenkes (Coxarthrose).

Aus welchen Teilen besteht ein künstliches Hüftgelenk?
Heute werden sogenannte modulare Implantatsysteme verwendet. Jedes Implantat Set besteht aus drei Komponenten, deren verschiedene Größen frei kombinierbar sind: dem Prothesenschaft, dem Prothesenkopf und der Pfanne.

Durch unterschiedlich tiefe Bohrungen in den Prothesenköpfen hat der Chirurg die Möglichkeit, die Prothesenhalslänge intraoperativ den individuellen anatomischen Gegebenheiten anzupassen und damit optimalen Anpressdruck und Halt der Endoprothese zu erzielen. Dadurch ist es nicht nötig, nach der Operation das Bein zu bandagieren.

Welches der beiden Implantatsysteme hat sich besser bewährt: zementfixiert oder zement-frei?

Die in der Tierklinik Schwanenstadt verwendeten  Implantatsysteme sind das Total Hip System® der Firma Biomedtrix®, sowohl zementiert als auch zementfrei. Beide Verfahren haben ihre Indikationen wie auch bei beiden Methoden mit annähernd gleichen Komplikationsraten zu rechnen ist. Bei beiden Verfahren wird vorerst in einem ersten Schritt der deformierte Oberschenkelkopf entfernt und die zu flache Hüftpfanne ausgefräst. 
Zementfixierte Implantate sind bei älteren Patienten mit sprödem oder verhärtetem Oberschenkelknochen vorzuziehen. Die typische Form des Oberschenkelknochens beim Deutschen Schäferhund ist geeigneter für einen zementfixierten Schaft. Auch nach Femurkopfresektionen ist es sicherer, den Prothesenschaft zu zementieren. Zementierte Kunsthüften lockern sich nicht selten nach 15 bis 20 Jahren. Infolge der kürzeren Lebenserwartung des Hundes reicht in der Regel die Haltbarkeit einer zementierten Kunsthüfte ein Hundeleben lang. 

Zementfixierte Kunsthüfte

Bei zementfrei fixierten Endoprothesen wird ein Bett in den Oberschenkelknochen bzw. die Hüftpfanne passgenau gefeilt, bzw. gefräst. In die raue Oberfläche der eingeklopften Implantate wächst in den ersten 6 Wochen nach der Implantation Knochen ein, wodurch das Implantat auch ohne Zement fixiert wird. Das Einwachsen der Prothese wird durch jugendlichen Knochen begünstigt. 


Das Implantationssystem der Firma Biomethrix ermöglicht die Kombination einer zementfrei fixierten Hüftpfanne mit einem zementierten Hüftschaft (Hybridsystem), welches sich besonders beim deutschen Schäferhund und alten Hunden als vorteilhaft erwiesen hat.

Kontrollröntgen einer zementfixierten Kunsthüfte – 8 Jahre nach der OP